Katzenschutzverordnung

 

02.07.2021

 

Ein Meilenstein für den Tierschutz! - Der Gemeinderat der Stadt Ditzingen hat am 22.06.2021 eine

 

Katzenschutzverordnung

 

beschlossen. Dafür sind wir den Stadträtinnen und Stadträten, sowie den zuständigen Gremien der Stadtverwaltung, voran Herrn Oberbürgermeister Makurath und Herrn Zimmermann, sehr dankbar.

 

Nach derzeitigem Stand ist Ditzingen damit die zehnte Kommune in Baden-Württemberg mit einer solchen Verordnung. In manchen anderen Bundesländern sind es bereits Dutzende Gemeinden.

 

Ein Schwerpunkt der Verordnung besteht darin, die Katzen vor erheblichen Schmerzen, Leiden oder Schäden zu schützen. Die Kastrations-, Kennzeichnungs- und Registrierungs­pflicht für freilaufende Katzen ist in diesem Zusammenhang notwendig.

 

Den Wortlaut der Verordnung lesen Sie im folgenden Abschnitt:

 

 

Verordnung der Stadt Ditzingen zum Schutz freilebender Katzen (Katzenschutzverordnung – KatzenschutzVO) vom 11.05.2021

 

 

Auf Grund von §13b des Tierschutzgesetzes in der Fassung der Bekanntmachung vom 18. Mai 2006, zuletzt geändert am 19.06.2020, in Verbindung mit der Verordnung der Landesregierung über die Übertragung der Ermächtigung nach §13b des Tierschutzgesetzes vom 19.11.2013 wird verordnet:

 

 

§1 Regelungszweck, Geltungsbereich

  1. Diese Verordnung dient dem Schutz von freilebenden Katzen vor erheblichen Schmerzen, Leiden oder Schäden, die auf eine hohe Anzahl dieser Katzen innerhalb des Gebietes der Stadt Ditzingen zurückzuführen sind.

  2. Dies Verordnung gilt für das gesamte Gebiet der Stadt Ditzingen.

 

 

§2 Begriffsbestimmungen

  1. Im Sinne dieser Verordnung ist eine

    1. Katze ein männliches oder weibliches Tier der Unterart Felis silvestris catus,

    2. Freilebende Katze eine Katze, die nicht oder nicht mehr von einem Menschen gehalten wird.

    3. Katzenhalterin oder Katzenhalter eine natürliche Person, die die tatsächliche Bestimmungsmacht über eine Katze in eigenem Interesse und nicht nur ganz vorübergehend ausübt und das wirtschaftliche Risiko des Verlusts des Tieres trägt,

    4. Halterkatze die Katze einer Katzenhalterin oder eines Katzenhalters,

    5. Freilaufende Halterkatze eine Halterkatze, der unkontrolliert freier Auslauf gewährt wird und die nicht weniger als 5 Monate alt ist.

 

§3 Kastrations-, Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht für freilaufende Halterkatzen

  1. Freilaufende Halterkatzen sind von ihren Katzenhalterinnen und Katzenhaltern durch eine Tierärztin oder einen Tierarzt zu kastrieren und mittels Mikrochip oder Ohrtätowierung eindeutig und dauerhaft zu kennzeichnen sowie zu registrieren.

  2. Die Registrierung erfolgt, indem neben den Daten des Mikrochips oder Ohrtätowierung Name und Anschrift der Katzenhalterin oder des Katzenhalters in das kostenfreie Haustierregister von Tasso e.V. oder in das kostenfreie Haustierregister des Deutschen Tierschutzbunds (FINDEFIX) eingetragen werden.

  3. Der Gemeinde ist auf Verlangen ein Nachweis über die durchgeführte Kastration und Registrierung vorzulegen.

  4. Von der Kastrationspflicht nach Absatz 1 können auf Antrag durch die Gemeinde Ausnahmen zugelassen werden. Die übrigen Bestimmungen hinsichtlich der Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht in den Absätzen 1 bis 3 bleiben unberührt.

  5. Eine von der Katzenhalterin oder dem Katzenhalter personenverschiedene Eigentümerin oder ein personenverschiedener Eigentümer hat die Ausführungen der Halterpflichten nach Absatz 1 bis 3 zu dulden.

§ 4 Maßnahmen gegenüber Katzenhalterinnen und Katzenhaltern

  1. Wird eine entgegen § 3 Absatz 1 unkastrierte Halterkatze von der Gemeinde oder einer oder einem von ihr Beauftragten im Gemeindegebiet angetroffen, soll der Katzenhalterin oder dem Katzenhalter von der Gemeinde aufgegeben werden, das Tier kastrieren zu lassen. Bis zurErmittlung der Katzenhalterin oder des Katzenhalters kann die Katze durch die Gemeinde oder einer oder einem von ihr Beauftragten in Obhut genommen werden. Ist zur Ergreifung der Katze das Betreten eines Privat- oder Betriebsgeländes erforderlich, sind die Grundstückseigentümer oder Pächter verpflichtet, dies zu dulden und die Gemeinde oder eine oder einen von ihr Beauftragten bei einem Zugriff auf die Katze zu unterstützen. Mit der Ermittlung der Katzenhalterin oder des Katzenhalters soll unverzüglich nach dem Aufgreifen der Katze begonnen werden. Dazu ist insbesondere eine Halterabfrage bei den in § 3 Absatz 2 genannte Registern zulässig.

  2. Ist eine nach Absatz 1 angetroffene unkastrierte Halterkatze darüber hinaus entgegen § 3 Absatz 1 nicht gekennzeichnet und registriert und kann ihre Halterin oder ihr Halter nicht innerhalb von 48 Stunden identifiziert werden, kann die Gemeinde oder ein von ihr Beauftragter oder von ihr Beauftragte die Kastration auf Kosten der Katzenhalterin oder des Katzenhalters durch eine Tierärztin oder einen Tierarzt durchführen lassen. Nach der Kastration soll die Katze wieder in die Freiheit entlassen werden. Die Entlassung in die Freiheit soll an der Stelle erfolgen, an der die Katze aufgegriffen worden ist.

  3. Eine von der Katzenhalterin oder dem Katzenhalter personenverschiedene Eigentümerin oder ein personenverschiedener Eigentümer hat die Maßnahmen nach Absatz 1 und 2 zu dulden.

 

 

§ 5 Maßnahmen gegenüber freilebenden Katzen

  1. Die Gemeinde oder eine von ihr Beauftragte oder ein von ihr Beauftragter kann freilebende Katzen kennzeichnen, registrieren und kastrieren lassen. Zu diesen Zwecken darf die freilebende Katze in Obhut genommen werden. Nach der Kastration kann die Katze wieder in die Freiheit entlassen werden. Die Entlassung in die Freiheit soll an der Stelle erfolgen, an der die Katze aufgegriffen worden ist.

  2. Ist für Maßnahmen nach Absatz 1 das Betreten eines Privat- oder Betriebsgeländes erforderlich, gilt § 4 Absatz 1 Satz 3 entsprechend.

 

§ 6 Inkrafttreten

Die Verordnung tritt am 01.07.2021 nach ihrer Bekanntmachung in Kraft. Stadt Ditzingen, den 25.06.2021

gez.

Michael Makurath Oberbürgermeister

 

 

Quelle:

Ditzinger Anzeiger vom 01.07.2021

 

Katzenschutzverordnung, wie im Ditzinger Anzeiger vom 1.7.2021 abgedruckt
_Katzenschutzverordnung DitzAnz KW 26 20[...]
PDF-Dokument [103.3 KB]

Anmerkungen zur Katzenschutzverordnung

02.07.2021 GM

 

Was Tierschützer jubeln lässt: Die Verordnung regelt,

 

  1. was ein Katzenhalter ist, nämlich der dauerhaft die Katze füttert und betreut.

  2. dass es eine Katze gibt, die diesem Halter zugeordnet wird.

  3. dass es eine Katze geben kann, die 5 Monate und älter ist und die dann genau diesem Eigentümer zuzuordnen ist, auch wenn sie Freigang hat, was man bei einer Katze räumlich nicht immer kontrollieren kann.

     

    Genau dieses Zusammenleben konkretisiert nun die Verordnung:

    Die Katze ist sicher zu kennzeichnen, damit sie ihrem Eigentümer/Halter zugeordnet werden kann. Diese Kennzeichnung hat mit Chip oder Tätowierung zu erfolgen, das geht nur in einer Tierarztpraxis. Das Tier ist vom Halter zu registrieren bei Findefix, Tasso und/oder Europet, denn das sind die Suchregister auf die zugegriffen werden kann, wenn ein Tier gefunden wird. Des weiteren muss dieses Tier kastriert werden.

    Das heißt, dass der verantwortungsbewusste Halter die Vermehrung seiner Katze unterbindet und dass auch durch seinen Kater keine weitere Vermehrung stattfinden kann.

 

Weiter steht in der Verordnung, was passiert, wenn eine Katze aufgefunden wird:

  1. Das Fundtier wird in Obhut genommen.

  2. Zur Ergreifung des Tieres ist der Zutritt zu einem Gelände zu gewährleisten

  3. Danach wird versucht, den Halter zu ermitteln; nach 48 Stunden darf das Tier kastriert werden und wenn es zumutbar ist, am Fundort wieder freigelassen werden.

 

Wenn einem seine Katze wichtig ist, lässt man sein Tier beim Tierarzt kastrieren und kennzeichnen, anschließend folgt die Registrierung.

Wer es nicht tut, zeigt damit, dass er nicht der Halter dieser Katze ist und keine Verantwortung für sie übernimmt. Somit gehört das Tier niemandem. Der Tierschutzverein darf dann die Verantwortung übernehmen.

 

Warum es diese Verordnung braucht:

Es wird unterschieden, wer Verantwortung übernimmt - konkret die genannte zugeordnete Person! Katzen ohne Zuordnung gehören somit niemand. Also können sie kastriert werden.

 

Vor Jahrzehnten, als von Tierschützern gefangen und kastriert wurde, ging es nur darum, unerwünschten Nachwuchs zu verhindern. Heute sind wir leider einige Stufen weiter: Nicht nur die "der Natur zurückgegebenen Tiere" vermehren sich, sie verbreiten auch Krankheiten, Pilze, Würmer und andere ansteckende Krankheiten, die der verantwortungsbewusste Halter durch Impfen, Wurmkur oder ähnlichem unterbunden hätte. Wenn es nicht vom Halter getan wird, ist es jetzt endlich erlaubt, dass es andere übernehmen können.

 

Die Zukunft: Nach einer Übergangsfrist werden alle Katzen mit einem Chiplesegerät erkennbar zugeordnet werden können. Die Hoffnung: Kastrieren wird Krankheiten und Vermehrung eindämmen. Es geht nicht von jetzt auf gleich, aber es ist ein Beginn.

 

Darum schützt diese Verordnung Katzenhalter und die Katzen.

 

Für Fragen zuständig: Giesela Mayer 0157 56788054